Politfactor

Die Welt jenseits des Mainstreams

Analyse eines Artikels in Welt Online

Welt Online titelt ganz groß: Die rhetorischen Tricks eines Populisten

Wie ein kleines Kind schreibt sich Christoph Keese (u.a. Autor des Buches: Rettet den Kapitalismus) seinen Frust ob der Rethorik von Oskar Lafontaine aus dem Leib. Der Autor des Artikels meint doch tatsächlich, dass sich Herr Lafontaine für Äusserungen über Hugo Chavez schämen müsste – weil er (Chavez) angeblich einen Sender hat schliessen lassen – pardon: Herr Keese spricht hier von abdrehen; hm, eigentlich müsste ich mich dann auch schämen, nur so nebenbei.

Viele aus der Internetgemeinde (die Mainstreammedien haben natürlich eine andere Meinung als ich) wissen natürlich, dass der Sender nicht geschlossen wurde sondern lediglich die Lizenz nicht verlängert wurde.

Dabei vergisst der Autor des Artikels natürlich auch, dass das Aufrufen und die Unterstützung zu einem Umsturz oder Putsch in Deutschland unter Strafe gestellt ist und ein Sender hierzulande deswegen geschlossen würde.

Und seien wir mal ehrlich: was bedeutet denn schon Pressefreiheit für ein neoliberales Sprachrohr wie Herrn Keese? Keine Ahnung.

Pressefreiheit bedeutet (für mich) auch, dass sich das gemeine Volk auch am politischen Geschehen, insbesondere über Bürgerfunk und Bürgerfernsehen beteiligen kann – und nicht, wie ein Herr Keese wohl meint, dass das Volk lieber durch Werbung und Soaps verdummt wird.

Nächster Punkt: Der Autor ist wohl der Meinung, dass die Reichen nicht reicher und die Armen nicht ärmer werden – das ist voll der Hohn gegenüber den rund 12 Millionen Menschen in Deutschland, die unter oder nahe der Armutsgrenze leben.

Weiters: Warum darf es keinen Generalstreik in Deutschland geben? Völlig Panne – ein Generalstreik ist m.E. wichtig für die Menschen in Deutschland und in Europa, weil dies, angesichts der Globalisierung, das einzige Mittel zu sein scheint, um die Vorherrschenden Machteliten zu bremsen – aber als Chefé muss er wohl so was schreiben.

Noch eine fette Lüge: durch Reprivatisierung (Verstaatlichung) würden Arbeitsplätze vernichtet – obwohl gerade so ein Mensch von der Neoliberalen Kampfpresse darum weiß, das Privatisierung schon immer Arbeitsplätze vernichtet hat – und es in Deutschland keinen Beweiß gibt, das Reprivatisierung Arbeitsplätze vernichten würde. Allerdings gibt es in anderen Ländern Hinweise darauf, dass Reprivatisierung Arbeitsplätze schafft – hoppla, ausgerechnet Hugo Chavez Venezuela.

Achja, Wohlstand: natürlich verringert Reprivatiserung den Wohlstand – von den Konzernbossen und Vorständen – ansonsten gewinnen die ärmeren unter der Bevölkerung an Wohlstand hinzu.

Die grösste Frechheit, die sich der Herr Keese rausnimmt, ist seine Meinung über die unmündigen Bürger: er meint, dass das Wahlvok nicht weiß, wie es mit der Globalisierung umgehen soll.

Ein weiterer Punkt: Ich kann leider dieses Zitat nicht verifizieren:

Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.

Und dennoch behaupte ich, dass es schon fast die Wahrheit ist: denn es sind immer wieder die gleichen Verdächtigen, die meinen, dass dem nicht so ist – btw.: Herr Keese kann ja auch nichts anderes schreiben, denn er ist ja einer von ihnen – und Herr Lafontaine muß dieses Zitat auch nicht erklären, es reicht so schon völlig aus:

Wer behauptet, das sei heute anders und die deutsche Presse sei ,frei‘ von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen, hat den Blick für die Verhältnisse verloren.

Und die wiederholte Propaganda zwischendurch: Abschaltung eines Senders – das hatten wir oben schon mal!

Hehe, was liest so ein Mensch (gemeint ist der Autor) aus Texten heraus?

Beim heutigen Stand der Dinge ist eben doch der Sozialismus die einzige Lehre, die an den Grundlagen unserer falschen Gesellschaft und Lebensweise ernstlich Kritik übt.

Und daraus macht der Herr Keese folgendes: Sozialismus ist schlecht, alle Macht dem Kapital – oder wie sonst kommt er darauf, Herr Lafontaine hätte Hermann Hesse zitiert (nicht vergessen: er ist Autor des Buches Rettet den Kapitalismus)?

Und noch einmal: selbst wenn Herr Lafontaine Herrn Hesse zitiert hat, wird die Aussage dadurch nichtig?

Nächster Punkt: Die US – Rüstungsindustrie ist natürlich nicht an Kriegen interessiert , ebenso wenig wie an Kapital – alles Sozialisten, die Kriegstreiber – äh – Kapitalhalter.

Was Herr Keese dabei vergisst, ist die Tatsache, dass Eisenhower wohl damals nicht wußte, dass die VSA in mehrere Angriffskriege verwickelt ist – als treibende Kraft, wohlgemerkt, und der nächste wartet auch schon: der Gang gegen den Iran.

Die menschlichen Defizite dieses Wirtschaftssystems, das die Herrschaft der Dinge über die Menschen festigt, heißen Ausgrenzung, Ausbeutung und Entfremdung.

Hehe, hab ich oben schon beschrieben: Ist es denn nicht genau so, wie es in der Welt (sic!) passiert?

Hm, der Herr Keese muß ja ein besonderes Verhältnis zu Papst Johannes Paul II. gehabt haben, oder wie erklärt es sich, dass er den Papst als Antikommunist bezeichnet?

Politfactor meint: Nur weil jemand etwas schreibt, hat er nicht das Recht auf eben diese Worte gepachtet – und jeder darf sie benutzen, auch ein Herr Keese.

Sehr beiendruckend und gerade passend zum Thema: Großbritanien: Arme immer Ärmer, Reiche immer reicher

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15. Juli 2007 - Posted by | Deutschland, Die Linke, Grundgesetz, History, Lafontaine, Manipulation, Militarisierung, Politik, Sozialpolitik, Venezuela

1 Kommentar

  1. Ein bemerkenswerter Artikel zum Thema:

    Oskar Lafontaine als Buhmann der Republik

    DIFFAMIERUNG STATT ARGUMENTE*Wie das ARD-Magazin „Panorama“ auf ein Phantom einprügelt

    Über mangelnde Publizität kann sich der Parteivorsitzende der Linken nicht beklagen. Allein die Neugründung, die nichts anderes war als eine Angleichung an die europäische Normalität, hat in der Parteienlandschaft der Bundesrepublik Turbulenzen ausgelöst, die bis heute anhalten. Wen man nicht totschweigen kann, muss man auf andere Art zu schlagen suchen. Statt es mit Sachargumenten zu probieren, verlegt sich da mancher auf die persönliche Diffamierung.

    Das bisher krasseste Beispiel lieferte ausgerechnet Panorama, als politische Magazinsendung der ARD eine Institution von Tradition und bis heute hohem Ruf. In Abwesenheit der Moderatorin Anja Reschke wurde da ein Versuch mit untauglichen, genauer: journalistisch fragwürdigen Mitteln unternommen, Oskar Lafontaine zu demontieren, zu entlarven, zu überführen.

    Hier gehts weiter: Freitag

    Kommentar von °F(ahrenheit) | 11. August 2007


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